Wahrscheinlich ist weltweit etwa jeder dritte Mensch TB-infiziert.

TB: Krankheit der Armut

Wahrscheinlich ist weltweit etwa jeder dritte Mensch tuberkuloseinfiziert, trägt also den TB-Erreger im Körper. Dort können die Bakterien dann Jahrzehnte überdauern, ohne Schaden anzurichten. Wie kann das sein? Wenn der Mensch gesund ist, hält das körpereigene Immunsystem die TB-Bakterien unter Kontrolle! Das ist bei der Lepra wahrscheinlich ähnlich. 

Ist das Immunsystem aber durch andere Einflüsse geschwächt, z.B. durch Unter- oder Mangelernährung oder schlechte Hygiene, hat die TB leichtes Spiel. Diese Faktoren spielen zumeist in armen Ländern bzw. bei armen Menschen eine Rolle, in reichen Ländern wie Österreich sind es Erkrankungen wie HIV/Aids oder Diabetes, die zum Ausbruch der TB führen. Allerdings ist die Zivilisationskrankheit Diabetes auch in den Ländern der Entwicklungszusammenarbeit auf dem Vormarsch – die Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern werden damit zunehmend doppelt belastet. Auch die HIV/AIDS-Pandemie in Afrika südlich der Sahara ist eine zusätzliche Herausforderung im Kampf gegen die TB. 

Symptome einer TB sind Kraftlosigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme sowie andauernder Husten, auch mit blutigem Auswurf. Viele Patienten nehmen dies wie eine Erkältung wahr und vernachlässigen es daher zunächst. 

Das Mycobakterium tuberkulosis ist eng verwandt mit dem Erreger der Lepra, auch die Behandlung ist mit einem Mix aus vier Antibiotika (bei Lepra sind es drei) sehr ähnlich. Allerdings tötet TB den Menschen sehr viel schneller als die Lepra. Damit ist das Verschwinden der Lepra wahrscheinlich nicht nur auf medizinische Behandlungserfolge zurückzuführen. Auch die sozioökonomischen Lebensstandards haben sich vielerorts kaum geändert. Wohl traurige Wahrheit: Lepra ist auch deshalb auf dem Rückzug, weil die TB Leprakranke schneller tötet. 

Seit Jänner 2014 ist plan:g Teil der „Stopp-TB-Partnerschaft“ unter Führung der Weltgesundheitsorganisation: Im Verbund mit der WHO (deren Arbeit wir an vielen Punkten wie der Art der Forschungsförderung, der Lepra-Eliminationsstrategie oder beim Fokus auf Nothilfe durchaus kritisch sehen) wollen wir noch effektiver sein: Die Situation im Gesundheitssektor und insbesondere bei der TB macht konsequente Zusammenarbeit unbedingt erforderlich.

TB-Diagnostik

TB wird meist über das Sputum (den abgehusteten Schleim) getestet. Der TB-Erreger wird mikroskopisch im Auswurf festgestellt. Zuverlässiger wird dieser Test, wenn Kulturen angelegt werden – wegen der langsamen Vermehrung der TB-Bakterien dauert dies aber mehr als vier Wochen. Schon die Diagnostik birgt also große Probleme gerade für arme Menschen: Sie müssen mehrfach in das Spital, können es sich aber oft nicht leisten, ihre Arbeit zu unterbrechen. Darum wird die TB in vielen Fällen sehr spät erkannt. 

Die TB infiziert am häufigsten die Lunge; TB-Bakterien können aber auch andere Organe befallen. Mit Röntgen kann das Spital nur die Lungen-TB sowie die Lymphknoten-TB feststellen. Ein moderneres Diagnoseverfahren ist der immunbiologische Interferon-Test. Der Test bietet zwar ein sicheres und schnelles Ergebnis, unterscheidet aber nicht zwischen Infektion und Erkrankung. Außerdem stehen solche Methoden in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit nicht zur Verfügung. In Uganda nutzten plan:g Partnerorganisationen schon sehr früh genetische Testverfahren, die Hinweise auf Resistenzen liefern. Dieses Verfahren setzt sich langsam als nationaler Standard durch. Trotzdem muss weiter an der besseren Diagnostik gearbeitet werden. Das gilt vor allem für besonders gefährdete Gruppen wie Kinder (die wenig Sputum produzieren) oder Menschen, die den Weg in die Kliniken scheuen.

TB-Therapie

Bei der Diagnose werden unterschiedliche Methoden genutzt. Oft verlässt sich die Ärzteschaft auf das klinische Bild: Husten? Arm? HIV positiv? TB. Dagegen existiert bei der Therapie ein weltweit ähnlicher Therapiestandard. Dieser fußt auf der Gabe von vier Antibiotika (Rifampicin, Isoniazid, Ethambutol und Pyrazinamid, die beiden letztgenannten jedoch lediglich in den ersten beiden Monaten). Als Alternativen, z.B. bei Unverträglichkeiten, stehen weitere Medikamente zur Verfügung. Die Standardtherapie ist wegen des abgelaufenen Patentschutzes preiswert, hat jedoch teilweise sehr starke Nebenwirkungen. Der Antibiotika-Mix muss über mindestens sechs Monate regelmäßig eingenommen werden, bei Organbefall außerhalb der Lunge oder Resistenzen auch deutlich länger. Für die Behandlung von multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) und auch der erweitert multiresistenten Tuberkulose (XDR-TB) stehen nur Medikamente zur Verfügung, die noch unter Patentschutz stehen und daher sehr teuer sind. Auch für HIV-Patienten müssen einige Medikamente ersetzt und ergänzt werden.

TB-Opfer

Ohne Behandlung stirbt jeder zweite Patient an Tuberkulose, von den Überlebenden behält wiederum jeder Zweite bleibende Schäden. Ein erneuter Ausbruch der Krankheit ist bei nicht behandelten Patienten jederzeit möglich, wenn das Immunsystem wieder geschwächt ist. In Österreich wurde die TB früher als „Schwindsucht“ oder „Wiener Krankheit“ bezeichnet. Sie betraf vor allem Arbeiter, die dicht gedrängt, oft mangelhaft ernährt und unter schlechten hygienischen Bedingungen lebten. TB ist bis zum heutigen Tag eine Krankheit der Armut geblieben. Eine multipel resistente TB-Erkrankung ist oft ein Todesurteil: Die Behandlung ist zu komplex und teuer, als dass arme Menschen in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit sie sich leisten könnten.

Mensch und Tier

TB ist eine Zoonose, eine zwischen Mensch und Tier übertragbare Infektionskrankheit. Darum betrifft die TB nicht nur die Ärmsten in Entwicklungsländern, sondern auch Verbraucher und Bauern in Österreich. Wir leben in einer Welt. Tier- und Menschengesundheit gehören ebenso zusammen wie das Leben der Menschen in reichen und armen Ländern.

Download: 10 Fragen & 10 Antworten zu TB