Transparenz ist gesund: CORRECTIV listet Null-Euro-Ordinationen

Bregenz, 14.07.2017. Das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich ermutigt alle „Null-Euro-Ordinationen“, ihren Verzicht auf Pharmasponsoring auf der Website von CORRECTIV transparent zu kommunizieren. 

Anfang Juli informierten der Verband der pharmazeutischen Industrie (Pharmig) und die österreichische Ärztekammer über Zahlungen, die die Industrie im vergangenen Jahr an österreichische Ärztinnen und Ärzte und an andere medizinische Einrichtungen leistete: 90 Millionen EUR wurden im Jahr 2017 für klinische Studien, Fortbildungen, Spenden oder andere Förderungen gezahlt. 

Wie sinnvoll oder wie notwendig sind solche Zahlungen? Industrie und österreichische Ärztekammer betonen die Bedeutung der Kooperationen für Forschung und Entwicklung. Allerdings belegt eine Reihe von Studien das genaue Gegenteil: Ärztinnen und Ärzte, die Besuche von Pharmaunternehmen vermeiden und sich unabhängig fortbilden, verschreiben Medikamente in der Regel unabhängiger und besser begründet. 

Dazu Prof. Dr. med. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Mainz und Ko-Autor einer solchen Studie: „Wir Ärzte haben bezüglich Interessenskonflikten einen blinden Fleck. Wir lassen uns von der Pharmaindustrie einladen und glauben dennoch, wir seien unabhängig.“ Zur Studie 

Dagegen läuft in den USA seit Langem eine oft pointiert geführte gesellschaftliche Debatte über geldwerte Leistungen an Ordinationen. Der Sunshine Act, das Transparenz garantierende Sonnenscheingesetz, macht Transparenz zur Pflicht. Es ist Teil des Patient Protection and Affordable Care Act. Das ist besser bekannt als Obamacare - eine Gesetzgebung, die Präsident Trump wieder abschaffen will. 

Solange Donald Trump die Uhren nicht zurückdrehen kann, bleiben die USA in dieser Frage transparenter als Österreich. Denn bei uns müssen Angehörige von Heilberufen explizit zustimmen, dass die an sie geleisteten Zahlungen der Pharmaindustrie veröffentlicht werden. 

2016 hatte das Ludwig Boltzmann Institut in einer Studie die Offenlegung geldwerter Leistungen in Österreich erstmals analysiert. Grundsätzlich lobte das Institut die Offenlegung als wichtigen Schritt zu mehr Transparenz. Gleichzeitig musste das Institut feststellen, dass die Bereitschaft österreichischer Ärztinnen und Ärzte zur Offenlegung von finanziellen Zuwendungen gering ist. 

Die explizite Einwilligung zur Veröffentlichung von Daten ist datenschutzrechtlich nötig und sinnvoll. Problem dabei: Patienten und Patientinnen können nicht erkennen, ob Ärztinnen oder Ärzte Ihre Verbindungen zur Pharmaindustrie nicht veröffentlicht sehen möchten, oder ob sie gar keine derartige Beziehung unterhalten. 

Um mehr Transparenz zu schaffen, hat CORRECTIV jetzt die Möglichkeit geschaffen, völlige Enthaltsamkeit in Sachen Pharma-Sponsoring zu dokumentieren. 

Das Verhältnis zur pharmazeutischen Industrie berührt direkt die fachliche Arbeit des Aussätzigen-Hilfswerks Österreich: Auf dem Arzneimittelmarkt gibt es viel zu viele überflüssige Medikamente. Das sind Medikamente, die oft keinen belegbaren Nutzen haben und im Zweifel vermeidbare schädliche Nebenwirkungen verursachen. Es sind Medikamente, die für die Menschen im zahlungskräftigen globalen Norden entwickelt werden. Die Entwicklung vieler Medikamente ist nicht medizinisch indiziert, sondern ökonomisch motiviert. Gleichzeitig fehlt es an dringend benötigten Medikamenten für Menschen im globalen Süden. 

Das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich bespricht diese Themen als Mitglied im Pharmadialog in konstruktiv-kritischer Weise mit der Industrie. 

Um unabhängig zu bleiben, hat das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich auch selbst den Eintrag in der Null-Euro-Liste vorgenommen. Gleichzeitig hat das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich am 6. Juli 2017 die No-Thank-You-Charter von Health Action International (HAI) unterzeichnet und damit deutlich gemacht, dass das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich auch in Zukunft auf Pharma-Sponsoring verzichten möchte. Grund: Die Interessenskonflikte zwischen der Industrie und den Ärmsten der Armen, als deren Partei das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich arbeitet, sind einfach zu groß. Die Erhältlichkeit von Rifampicin - kostenlos bereitgestellt durch Novartis und WHO - wird durch eine bilaterale Vereinbarung dieser beiden Organisationen geregelt und wird von der Entscheidung des Aussätzigen-Hilfswerks Österreich natürlich nicht berührt. 

Hier geht es direkt zur Registrierung der „Null-Euro-Ärzte“. 

Zu den Medienpartnern von CORRECTIV zählt unter anderem Der Standard

Das Non-Profit-Recherchezentrum CORRECTIV hilft, eine immer komplexer werdende Welt besser zu verstehen. Das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich ist seit Januar 2016 Mitglied, weil CORRECTIV intensiv zum Gesundheitssektor arbeitet. Thema ist unter anderem die Antibiotikaresistenz - ein Thema, das bei der Kontrolle von Lepra und anderen Armutskrankheiten überragend wichtig ist.



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