Wahl zum Europäischen Parlament 2019

EU-Wahl und Pommes: Debattenkultur statt „message  control“

Populismus macht krank.

Bregenz, 27.05.2019. Nach der EU-Wahl weist plan:g – Partnerschaft für globale Gesundheit auf den Zusammenhang zwischen demokratischen Prozessen, handlungsfähigen Institutionen und planetarer Gesundheit hin. plan:g betont diesbezüglich die wachsende Verantwortung der Religionen.

plan:g kritisiert die populistischen Vereinfachungen im Vorfeld der EU-Wahlen. Die EU-Verordnung zur Senkung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln war von Bundeskanzler Sebastian Kurz vor der Wahl als „bevormundend“ kritisiert worden. Zu dunkle Kartoffelchips und Pommes sind nachweislich krebserregend. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte die Anwürfe des Kanzlers als „bewusste Schizophrenie“ bezeichnet.

Das greift plan:g-Geschäftsführer Matthias Wittrock nach der Wahl auf: „Die Verunglimpfung von EU-Maßnahmen hilft, Wahlen zu gewinnen. Letztlich ist die pauschale Kritik am EU-Gesundheitsschutz jedoch zerstörerisch. Sie lenkt von nationalen Versäumnissen und den großen internationalen Herausforderungen ab, welche gesellschaftlich geklärt und politisch gestaltet werden müssen.“

Koordinierte Initiativen zur Vermeidung von Acrylamid und auch Rauchverbote sind für die internationale Gesundheitsförderung unverzichtbar. Dazu Matthias Wittrock: „Mit dem Argument ‘bürgerlicher Selbstverantwortung’ macht die Politik Stimmung und verabschiedet sich gleichzeitig aus der Verantwortung. Statt „message control“ müsse eine reife Debattenkultur entwickelt werden, die alle Menschen einbeziehe. 

Pfr. Edwin Matt, plan:g-Kuratoriumsvorsitzender, weist auf die fortgesetzte Schöpfungszerstörung als größte Bedrohung für die planetare Gesundheit und damit für die Gesundheit aller Menschen in der Einen Welt hin: „Politik steht in der Verantwortung, gute Rahmenbedingungen für Gesundheit für Alle zu schaffen.“ Auf nationaler Ebene gehörten dazu die in den letzten Jahren immer mehr vernachlässigten Anstrengungen bei der Diabetes- und Krebsprävention, die etwa durch das Aufweichen des Nichtraucherschutzes in Österreich zu vermeidbar hohen Krankheitslasten führt und mit der Österreich aus der internationalen Solidarität ausgeschert ist.

Dazu Pfr. Edwin Matt: „Während der Staat zur Beute verkommt, vergeuden wir die immer knapper werdende Zeit, die für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele und für die große sozio-ökologische Transformation, also für die Bewahrung der Schöpfung, noch verbleibt.“

In dieser Situation einer demokratischen, ökologischen, ökonomischen, sozialen und spirituellen Krise wünscht sich Pfr. Edwin Matt „eine ungeduldige Kirche, die sich einmischt, Mut zur Analyse komplexer Probleme macht und selbst Reformfähigkeit und Dialogbereitschaft beweist“. Zentral dafür werde die Amazonien-Synode im Herbst 2019 zu Neuen Wegen für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. Die Synode könne innerkirchliche Demokratie, Weltkirche und interreligiöse Beziehungen stärken und somit wirksame Beiträge zur Gesundheit für Alle leisten.

Links:

Die EU ist komplex, aber gesund: Mehr als eine Pommes-Verordnung 
Religion in Verantwortung: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie

Kochtipp: Persönliche und politische Veränderung beginnen am eigenen Herd

Ganz gleich ob am eigenen Herd, in der Gaststätte oder beim Griff in die Chips-Tüte: Sie sollten weder Ihre Kartoffeln noch sich selbst verkohlen lassen.

Weil Kartoffelchips und Frier-Pommes grenzüberschreitend verkauft werden, müssen Sie sich grenzüberschreitend darauf verlassen können, dass die Lebensmittel so gesund als möglich sind.

EU-Vorschriften sind differenziert zu bewerten. Die „Verordnung vom 20. November 2017 zur Festlegung von Minimierungsmaßnahmen und Richtwerten für die Senkung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln“ hat einen langen Namen. Genauso komplex wie die dahinterliegende Problematik. Die Veordnung war ein wichtiger Meilenstein im Verbraucherschutz und zum EU-Minimierungskonzept von Schadstoffen.

Und wie werden Pommes zu Hause gesund zubereitet? Wer falsch gelagerte, ältere, schon teilweise auskeimende oder rohe Kartoffeln direkt in eine zu heiße Pfanne oder Fritteuse mit altem Fett wirft, kann noch einiges verbessern: 

  1. Lagern Sie Ihre Kartoffeln richtig. Wenn der geeignete Lagerraum fehlt, gehen Sie lieber noch einmal auf den Bio-Markt.
  2. Sie sollten Ihre Kartoffeln lichtgeschützt und nicht im Kühlschrank lagern. Denn die Kälte fördert die Zuckerbildung. Auch ausgetriebene Kartoffeln enthalten mehr Zucker.
  3. Bio-Kartoffeln aus Ägypten sind eine schlechte Wahl. Denn in Ägypten ist Wasser knapp. Bevorzugen Sie Bio-Kartoffeln aus regionalem Anbau.
  4. Ganz gleich ob Pommes, Bratkartoffeln, Reibekuchen oder Rösti: In ausreichender Menge Öl lieber etwas länger, dafür aber weniger heiß zubereiten.
  5. Das Frittieren, Braten oder Backen dennoch rechtzeitig beenden. Die Kartoffeln sollen goldig werden, nicht braun.

Warum ist das wichtig? Ausgangsstoffe für die Acrylamid-Bildung sind die beiden Zucker Glukose und Fructose sowie der Eiweißbaustein Asparaginsäure. Zucker und Asparagin sind natürliche Stoffe, welche in Kartoffeln und auch in Getreide vorkommen. Acrylamid entsteht daraus erst am Herd, in der Fritteuse oder im Backofen ab etwa 180 °C. 

Geduld ist gesund: Pommes aus frischen Kartoffeln sollten vor dem Frittieren eine Stunde gewässert werden. Dadurch wird wenigstens ein Teil des Zuckers aus den Kartoffeln herausgelöst. Aber nicht bummeln: Kartoffeln sollten so kurz wie möglich gebräunt werden. Energie sparen: Heißer als 175 °C sollte es nicht werden. Übrigens: Bratkartoffeln, die aus gekochten Kartoffeln zubereitet werden, enthalten deutlich weniger Acrylamid.

Am Beispiel der Kartoffel wird klar, wie komplex unsere Welt geworden ist. Diese Komplexität muss gestaltet werden. Wer diese Komplexität auf politischer oder auf privater Ebene ignoriert, schädigt sich und andere.



Weil Sie sich für Gesundheit und die Eine Welt interessieren ...

 … haben Sie bis hierher gelesen. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Denn die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit in der Einen Welt sind sehr komplex. In einer sich schnell verändernden Welt ist das Menschenrecht auf Gesundheit immer neuen Bedrohungen  ausgesetzt. Das gilt für die Gesundheit der Ärmsten ebenso wie für uns in Österreich. Darum versteht sich plan:g als Partnerschaft für globale Gesundheit.

Diese Partnerschaft braucht Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und auch Ihre finanzielle Unterstützung. Werden Sie Teil der Partnerschaft für globale Gesundheit: Mit Ihrer Zahlung machen Sie Gesundheit ansteckend. Das geht schnell. Und mit unserem System sparen Sie die Gebühren der großen Zahlungsanbieter. Danke im Namen des ganzen Teams und im Namen unserer Partnerorganisationen — Pfr. Edwin Matt, Kuratoriumsvorsitzender. 

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