Eine mutige Kirche kann Wandlung leben, fördern und feiern.

Welttuberkulosetag 2020

Solidarisch sein in der Krise: Lernen und sich verändern lassen.

Bildstöckle auf der Fluh, Bregenz.
Bildstöckle auf der Fluh, Bregenz.

Tuberkulose (TB)

Die Weltgesundheitsorganisation (World Heath Organization, WHO) schätzt, dass 2018 etwa 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB) starben. Etwa 10 Millionen Menschen haben sich 2018 neu infiziert, davon über eine Million Kinder. Damit zeigt die Epidemiologie der TB seit Jahren das gleiche, extrem bedrückende Bild. TB bleibt weltweit die weitaus tödlichste über die Atemluft (meist als Tröpfcheninfektion) bakteriell übertragene Krankheit.

TB als Krankheit der Armut.

Die beiden wichtigsten Ko-Faktoren für die Entwicklung von TB sind sozioökonomische Marginalisierung und HIV/AIDS. Arme Bevölkerungsgruppen aus armen Staaten sind besonders TB-betroffen. Fehlende ökonomische Ressourcen erhöhen dabei nicht nur das Risiko, an TB zu erkranken. Der fehlende Zugang zu Diagnose und Therapie erhöht auch die Sterblichkeit signifikant.

Wichtigster Risikofaktor der TB ist eine HIV-Infektion. In Staaten mit hoher HIV-Prävalenz, mit ungleichem Zugang zu HIV-Therapien und mit zu wenig wirksamen Präventionsmaßnahmen steigt auch die Zahl der TB-Erkrankungen. Weitere Risikofaktoren sind andere Vorerkrankungen wie Diabetes, also Krankheiten, die das Immunsystem langfristig beeinträchtigen. TB-Risikopatient*innen könnten auch Risikopatient*innen von COVID-19 sein.

Krankheiten nicht getrennt voneinander betrachten
#LeaveNoOneBehind

Zum Welttuberkulosetag  2020 fordert plan:g, Krankheiten nicht zu isoliert voneinander zu betrachten, sondern die komplexen Bedingungen von Gesundheit insgesamt in den Blick zu nehmen. plan:g unterstreicht damit Kernforderungen der Stop-TB-Partnerschaft zum Welt-TB-Tag 2020: Besonders gefährdete Gruppen und Einzelne brauchen besondere Unterstützung; Fallfindung und Stopp der Übertragung sind zentrale Herausforderungen jeder Epidemie.

Kirchliches Weiterdenken gefordert

Im Jahr 2018 war TB die Todesursache bei einem Drittel aller Aidstoten. TB und HIV/AIDS müssen zusammengedacht werden. Die aktuellen Statistiken zeigen: Von Beginn der HIV/AIDS-Pandemie bis 2018 hatten sich 75 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 32 Millionen Menschen starben. Matthias Wittrock, plan:g-Geschäftsführer, sieht vor diesem Hintergrund die katholische Kirche weiterhin in der Pflicht, sich immer neu mit Bedingungen von Krankheit und Gesundheit und dem Menschsein in einer sich verändernden Welt auseinanderzusetzen. Er fragt: „Kondome schützen – wie würden wir heute, vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie, reagieren, wollte eine Religion den Österreicher*innen das Taschentuch verbieten? Ist das tatsächlich lediglich eine kasuistische Frage oder erfordert die Seuchenprävention auch einen neuen Blick auf kirchliche Machtansprüche?“

Auch Pfr. Edwin Matt, plan:g-Kuratoriumsvorsitzender, hält die genaue Beobachtung der Bedingungen von Krankheit und Gesundheit sowie ein Weiterdenken der katholischen Sexualmoral für einen notwendigen Akt der Solidarität. Kirche müsse zwischen dem Schutz des Lebens und der Offenheit von Sexualität für die Zeugung von Kindern abwägen. Er sagt: „TB hat letztlich komplexe soziale und politische Ursachen. In diese Bedingungen sind auch wir als Kirche verstrickt. Das gilt auch für neue Pandemien wie COVID-19. Denn SARS-CoV-2 kommt nicht aus dem Nirgendwo, sondern aus einer der wirtschaftsstärksten Metropolregionen der Erde – also aus einer stark umweltzerstörten und sich rasend schnell verändernden Gegend unserer Einen Welt. Diese Zerstörung und Veränderung ist uns viel näher, als wir es wahrhaben wollten. Grund von SARS-CoV-2 ist nicht die chinesische Esskultur, sondern gerade die rapide Auflösung der chinesischen Kultur aufgrund extremer Ausbeutungsbeziehungen von Mensch und Natur. In diese Ausbeutung ist verstrickt, wer ein in China zusammengesetztes smartphone nutzt. Damit ist SARS-CoV-2 eine Frage der Menschenrechtspolitik und unseres eigenen Verhaltens.“

Wie plan:g gegen TB wirkt

plan:g bringt sich in die innerkirchlichen Debatten um Gesundheit und Sexualmoral ein. Das kann heilen. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen (derzeit vor allem in Tansania, bis 2019 auch in Uganda) unterstützt und entwickelt plan:g Pilotprojekte zu einer verbesserten TB-Fallfindung. Beispiel Tansania, Projekt 20160003: Dort hat eine Personalentsendung mit HORIZONT3000 dazu beigetragen, die Fallfindung (das s.g. case-finding von Patient*innen auch mit einfach oder mehrfach antibiotikaresistenten TB-Keimen, also MDR- und XDR-Keimen) zu verbessern. Jetzt werden mehr Menschen behandelt, die das TB-Bakterium früher ungewollt an andere weitergaben. In weiteren Programmschritten wurde das DOTS-Netzwerk erweitert: Directly Observed Treatment, Short-Course (DOTS) steht für die Behandlung der TB in einem kurzen Zeitrahmen und unter Beobachtung, um die compliance, die richtige Einhaltung der Behandlungsrichtlinien sicherzustellen. Dazu wurden auch neue Konzepte bei der Sensibilisierung der Bevölkerung und insbesondere von Multiplikatoren (etwa religiösen Vertrauenspersonen) erprobt, durchgeführt und dokumentiert. Für die gemeinsam entwickelten Projektansätze konnten bis Ende 2019 mehrere Millionen USD mobilisiert werden. Das sind Erfolge, die zwar nicht in der plan:g-Finanzbilanz, sehr wohl aber in der plan:g-Wirkungsbilanz auftauchen und Beiträge leisten, TB zu überwinden. 

WHO-Welt-TB-Report 2019
plan:g-Infos zur Tuberkulose

TB-fact-sheet (pdf-download)

Pressefotos: Light Up the World in Red to End TB

Seit 2018 beteiligt sich plan:g an der globalen Kampagne der Stop TB Partnership „die Erde rot erleuchten, um TB zu überwinden“. 2018 wurde die Basilika in Rankweil angestrahlt; 2019 die Bruder Klaus-Kapelle Hirschegg. 2020 wurde das Stop-TB-Logo aufgrund der Corona-Krise auf ein Bildstöckle bei Bregenz Fluh montiert.

Pressefotos zur TB zum download in druckfähiger Auflösung. Die Bilder zeigen TB-Arbeit im All African Training Center (ALERT) in Addis Abeba, Äthiopien. Nachdruck mit Copyrigtvermerk „© plan:g - Partnerschaft für globale Gesundheit“ erwünscht, Belegexemplar erbeten.



Weil Sie sich für Gesundheit und die Eine Welt interessieren ...

 … haben Sie bis hierher gelesen. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Denn die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit in der Einen Welt sind sehr komplex. In einer sich schnell verändernden Welt ist das Menschenrecht auf Gesundheit immer neuen Bedrohungen  ausgesetzt. Das gilt für die Gesundheit der Ärmsten ebenso wie für uns in Österreich. Darum versteht sich plan:g als Partnerschaft für globale Gesundheit.

Diese Partnerschaft braucht Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und auch Ihre finanzielle Unterstützung. Werden Sie Teil der Partnerschaft für globale Gesundheit: Mit Ihrer Zahlung machen Sie Gesundheit ansteckend. Das geht schnell. Und mit unserem System sparen Sie die Gebühren der großen Zahlungsanbieter. Danke im Namen des ganzen Teams und im Namen unserer Partnerorganisationen — Pfr. Edwin Matt, Kuratoriumsvorsitzender. 

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